News von meinen Kids aus der ersten Klasse

Herzerl

Heute ist wieder Montag und ich gehe um Punkt 10.20Uhr aus dem Haus, um dann 10.30Uhr an der Schule zu sein. Ich bin heute so entspannt, wie nie zuvor. Woran das liegt? Ich habe seit einiger Zeit quasi den Spieß umgedreht…..  ich bereite für die Kids nichts mehr vor, um ihnen etwas beizubringen, ich verlange nicht von ihnen, dass sie etwas Bestimmtes lernen sollen. Ich schaue die Kinder einfach nur an und frage sie, auf was die denn jetzt gerade Lust haben…… sie haben wirklich tolle Ideen.

Das sah heute so aus:

Ich hatte das Buch vom Raben Socke dabei und Daphne wollte daraus etwas vorlesen. Sie las Buchstaben für Buchstaben und konzentrierte sich voll auf die Geschichte, wie ich kurz darauf noch spüren sollte. Sie las und las und ich bewunderte sie echt für ihre Ausdauer. Während sie las hörten die anderen drei Mädchen ihr zu. Es war so friedlich im Raum …… ich war total fasziniert, wie ruhig Kinder sein können.

Nach einige Zeit wollte Daphne dann aufhören und Alexandra hatte Lust drauf die Geschichte vom Raben Socke weiterzulesen…… Da ich merkte, dass die anderen drei dann doch etwas in ihrer Konzentration nachliesen, fragte ich sie, ob sie malen wollen, während Alexandra vorlist.

Damit waren sie sofort einverstanden. Elena malte einen wunderschönen bunten Schmetterling auf rotes Papier. Die Buntstifte wirkten so toll auf dem roten Hintergrund, dass ihr Blatt bald wie ein schönes Frühlingsbild aussah. Für eine Sechsjährige echt genial.

Alexandra las und las – seitenweise. Zwischendurch fragte ich dann Daphne, was sie denn da Schönes malt. Sie sagte, dass sie die Geschichte vom Raben Socke malt. Ich fragte sie nach welchem Bild aus dem Buch sie denn gemalt hätte. Ich dachte nämlich, dass sie ein Bild nachgemalt hätte. Sie sagte: “ Überhaupt keins, ich habe einfach zugehört.“ Und wirklich, das war genau der Teil der Geschichte, den sie selber vorgelesen hatte. Ich war verblüfft. Sie hatte sich aufs Lesen konzentriert, sich den Inhalt gemerkt und dann das passende Bild dazu gemalt. Stark!!!

Dann wollte Alexandra nicht mehr weiterlesen und ich fragte, wer denn jetzt Lust hat zum Weiterlesen. Niemand! Okay, dann war ich ganz still und ließ alle einfach weitermalen. Diese Ruhe im Raum – einfach himmlisch. Es ist für mich total faszinierend Kindern zuszusehen, wenn sie voll in ihrer eigenen Welt sind und drumerum alles vergessen.

Währendessen merkte ich aber auch bei mir selber, dass ich ständig aufpassen musste, sie dabei nicht zu stören. Ich habe nämlich auch tausend Ideen, wie sie es noch besser machen könnten. Erwachsene müssen immer irgendwie ihren Senf dazugeben, damit es die Kleinen auch wirklich lernen. Ich hatte echt zu tun, meinen Mund zu halten. Mir wurde so bewußt, dass wir als Erwachsene die Kleinen oft einfach nur stören und drausbringen.

Dann sah ich wie Alexandra ein weißes Blatt Papier nahm, es faltete und anfing eine Geschichte aufzuschreiben, die sie selber so erlebt hatte. Sie schrieb: „Dann kamen meine Kusienen zu besuch und wir haben ws gdrunken, dann haben wir etwas gesbilt . Wir durften bis 12.00 Uhr aufbleiben.“  Sie fand selbständig Fehler, korrigierte sie und den Rest lies ich so stehen. Ich dachte mir einfach: „Na, das lernt sie dann schon noch, ein anderes Mal.“ Dann malte sie Feuerwerksglitzer darunter und ich merkte, dass sie von ihrem Silversterabend geschrieben hatte. Einfach toll!!!

Carla, das vierte Mädchen, hatte heute einfach „nur“ gemalt und ich lies sie einfach. Ich spüre immer mehr, dass ich als Erwachsene den Willen und den Bedürfnissen der Kinder folgen muss. Je mehr ich das tue, umso mehr machen die Kinder, das, was sie gerade fühlen und dann herrscht wirklich Frieden. Ich störe die Kinder nicht in ihrem kindlichen Sein.  Das hat zur Folge, dass sie zufrieden sind und ich bin es auch.

Das fühlte sich alles so leicht und fliessend an heute und ich spüre ganz deutlich, dass Kinder keine Wesen sind, die darauf warten, dass sie von einem Erwachsenen „belehrt“ werden. Nein, sie haben ihre eigenen Ideen und Wünsche und das ist ihr Bedüfniss und ihr Wissensstand jetzt in genau diesem Augenblick und alles geht in ihrem eigenen Tempo und ihre Ideen wollen gelebt werden ………

Dass, das der richtige Weg ist, Kindern zu begegnen, das habe ich daran gemerkt, dass ich völlig entspannt und glücklich wieder nach Hause gegangen bin.

P.S.: Wenn du Ähnliches erlebst mit Kindern, dann würden mich deine Erfahrungen interessieren. Schreib mir einfach einen Kommentar ….♥

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